Gekaufte Likes für politische Parteien

Erstellt von Lara Kris­tin Zei­tel | |   Veranstaltungen

Viele Po­li­ti­ke­rin­nen und Po­li­ti­ker sowie Par­tei­en in Deutsch­land pro­fi­tie­ren von ge­kauf­ten Likes in So­zia­len Me­di­en, vor allem Face­book.

Das haben un­se­re For­scher des Horst-Görtz-In­sti­tuts für IT-Si­cher­heit (HGI) ge­mein­sam mit NDR, WDR und Süd­deut­scher Zei­tung auf­ge­deckt. Die Likes kom­men dabei nicht von Bots oder ge­fälsch­ten Ac­counts, son­dern von ech­ten Nut­ze­rin­nen und Nut­zern, die gegen Geld be­stimm­te In­hal­te mit „Ge­fällt mir“ mar­kie­ren.

Im Ge­gen­satz zu Bot-Ak­ti­vi­tä­ten ist es bei In­ter­ak­tio­nen ech­ter Per­so­nen nur schwer zu er­ken­nen, ob es sich um einen Fake Like han­delt oder nicht. Die Me­di­en be­rich­te­ten am 18. und 19. De­zember 2019 über die Er­geb­nis­se.

Haupt­säch­lich Face­book be­trof­fen

Das Team ana­ly­sier­te eine Crowd­wor­king-Platt­form na­mens „Paid­li­kes“, auf der Ge­fällt-mir-An­ga­ben für Posts, Fotos, Vi­de­os, Apps, Pro­fi­le, Grup­pen oder Kom­men­ta­re in un­ter­schied­li­chen So­zia­len Netz­wer­ken ge­kauft wer­den kön­nen. Die Crowd­wor­ker liken die ge­wünsch­ten In­hal­te und er­hal­ten pro Klick ein paar Cent. Für jede Klick-Kam­pa­gne er­stellt der On­line­dienst eine ei­ge­ne Web­sei­te, deren URL auf sys­te­ma­ti­sche Weise zu­sam­men­ge­setzt ist, wie der Bo­chu­mer For­scher Den­nis Tatang ge­mein­sam mit On­line­ak­ti­vist Phi­lip Krei­ßel fest­stell­te.

„Jede Kam­pa­gnen-URL hat eine Zif­fer als ein­deu­ti­ge ID“, er­klärt Den­nis Tatang. „Die Kam­pa­gnen sind dabei ein­fach fort­lau­fend durch­num­me­riert.“ Indem sie bei eins star­tend alle mög­li­chen Zah­len in der URL aus­tes­te­ten, konn­ten Tatang und Krei­ßel die URLs von rund 82.​000 Klick-Kam­pa­gnen iden­ti­fi­zie­ren, die seit 2012 ein­ge­stellt wur­den. Eine Ana­ly­se zeig­te, dass 86 Pro­zent davon auf Face­book lie­fen. 5,6 Pro­zent ent­fie­len auf Youtu­be, der Rest auf an­de­re So­zia­le Netz­wer­ke, unter an­de­rem eine deut­sche Da­ting-Platt­form.

Alle Par­tei­en dabei

Die Klick-Kam­pa­gnen gal­ten vie­len ver­schie­de­nen The­men – dar­un­ter Ein­zel­per­so­nen, Grup­pen und Pro­duk­ten. So stell­ten For­scher und Me­di­en unter an­de­rem fest, dass Likes für die Face­book-Sei­ten von vie­len re­gio­na­len Grup­pen po­li­ti­scher Par­tei­en ge­kauft wur­den. Das be­traf alle Par­tei­en, die ak­tu­ell im deut­schen Bun­des­tag ver­tre­ten sind, wenn auch mit un­ter­schied­li­cher Häu­fig­keit.

„An­hand der Kam­pa­gnen­sei­ten kön­nen wir al­ler­dings nicht fest­stel­len, wer der Auf­trag­ge­ber für die Kam­pa­gnen war“, er­klärt Tatang. „Es kann also sein, dass die Ein­rich­tung oder die Per­son, die eine Face­book-Sei­te be­treibt, die Likes dafür nicht selbst ge­kauft hat.“

Dok­torand Den­nis Tatang ar­bei­tet die Er­geb­nis­se ak­tu­ell als wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chung auf, ge­mein­sam mit sei­nen Lehr­stuhl­kol­le­gen Flo­ri­an Quin­kert und Mar­tin De­ge­ling, mit Prof. Dr. Thors­ten Holz, Lei­ter des Lehr­stuhls für Sys­tem­si­cher­heit, und mit Micha­el Seh­ring, frü­her als wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft am HGI be­schäf­tigt. (Foto: RUB/Mar­quard)