Alarmanlagen für Obdachlose

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Up­date: der WDR be­rich­te­te am 01. De­zember 2020 in der Lo­kal­zeit über die Alarm­an­la­ge für Ob­dach­lo­se, den so­ge­nann­ten "clochard alert", den Dr. Chris­toph Baer mit sei­nem Team an der Fa­kul­tät ETIT ent­wi­ckelt hat.

Als wenn sie nicht schon genug Sor­gen hät­ten! Häu­fig wer­den Men­schen, die ihre Näch­te not­ge­drun­gen auf der Stra­ße ver­brin­gen, im Schlaf be­stoh­len und um ihr we­ni­ges Hab und Gut ge­bracht. Um ihnen zu­min­dest einen klei­nen Schutz davor zu geben, haben Stu­die­ren­de der RUB im Som­mer­se­mes­ter 2020 eine kos­ten­lo­se Alarm­an­la­ge ent­wi­ckelt. Der so­ge­nann­te Clochard Alert wird im De­zember 2020 erst­mals ge­tes­tet. Wie so häu­fig, wenn es um hu­ma­ni­tä­re oder so­zia­le Ak­ti­vi­tä­ten mit tech­ni­schem Bezug geht, steckt Dr. Chris­toph Baer vom Lehr­stuhl für Elek­tro­ni­sche Schal­tungs­tech­nik an der Fa­kul­tät für Elek­tro­tech­nik und In­for­ma­ti­ons­tech­nik hin­ter die­ser Idee. Am ver­gan­ge­nen Diens­tag, 10. No­vem­ber 2020, stell­te Baer (Mitte) den Grün­dern des ge­mein­nüt­zi­gen Ver­eins "Un­sicht­bar e.V.", Hol­ger Bran­den­burg (l.) und An­dre­as Stein­hof (r.), die Alarm­an­la­ge vor.

Im No­vem­ber 2017 holte Baer die Spe­cial In­te­rest Group on Hu­ma­ni­ta­ri­an Tech­no­lo­gy (Sight) nach Deutsch­land. Als Un­ter­grup­pe des In­sti­tu­te of Elec­tri­cal and Elec­tro­nics En­gi­neers (IEEE), dem welt­wei­ten Be­rufs­ver­band von In­ge­nieu­ren, wid­met sich Sight Deutsch­land hu­ma­ni­tä­ren Auf­ga­ben: in aller Welt, aber auch vor der ei­ge­nen Haus­tür.

So auch in die­sem Pro­jekt, das in der Lehr­ver­an­stal­tung „Mas­ter-Pro­jekt Hu­ma­ni­tä­re Tech­nik“ vor­an­ge­trie­ben wurde. Bei dem Pro­jekt wirk­ten neben Chris­toph Baer auf Seite der Stu­die­ren­den unter an­de­rem Jan­nik Mer­tin, Ju­li­an Diele, Le­an­der Wil­le­ke und Flo­ri­an Beck­feld (siehe Foto unten) mit und rea­li­sier­ten somit die Um­set­zung des ge­mein­nüt­zi­gen Pro­jek­tes. Das Ziel der Lehr­ver­an­stal­tung liest sich zu­nächst recht tro­cken: „An­ge­bo­ten wer­den Pro­jek­te zur Er­ar­bei­tung von tech­ni­schen Lö­sun­gen für hu­ma­ni­tä­re An­wen­dun­gen. Diese Pro­jek­te kön­nen so­wohl Hard­ware- als auch Soft­ware­kom­po­nen­ten be­sit­zen. Sie sol­len zum Ab­schluss in ein rea­les Sze­na­rio über­führt wer­den.“ In der un­ge­kürz­ten Ver­si­on die­ser Be­schrei­bung ist zudem von einem Part­ner die Rede, bei­spiels­wei­se einer Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on oder einer Non-Pro­fit-Or­ga­ni­sa­ti­on. Für die­ses Pro­jekt fand Chris­toph Baer den ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein Un­sicht­bar aus Ge­vels­berg, der Ob­dach­lo­sen und fi­nanz­schwa­chen Men­schen hilft.

Ge­mein­sam ent­stand die Idee der Alarm­an­la­ge für Ob­dach­lo­se, die an­schlie­ßend in der Lehr­ver­an­stal­tung in­ner­halb von sechs Mo­na­ten bis zur Pro­dukt­rei­fe um­ge­setzt wurde. Die Elek­tro­nik der Alarm­an­la­ge ver­steckt sich in einem zy­lin­dri­schen Ge­häu­se, das acht Zen­ti­me­ter lang ist, bei einem Durch­mes­ser von drei Zen­ti­me­tern. In das Ge­häu­se wird das Si­che­rungs­ka­bel ge­steckt. „Mit die­sem dün­nen Kabel kann der Ob­dach­lo­se seine Hab­se­lig­kei­ten ver­schnü­ren“, be­schreibt Chris­toph Baer die Funk­ti­on. „Ist das Kabel ein­ge­steckt, kann der Alarm auf Knopf­druck scharf ge­stellt wer­den. Wird das Si­che­rungs­ka­bel ge­walt­sam her­aus­ge­zo­gen oder durch­trennt, er­tönt der Alarm, der hof­fent­lich den Dieb er­schreckt, den Ob­dach­lo­sen auf­weckt und das In­ter­es­se wei­te­rer Pas­san­ten er­regt.“

Der Clochard Alert ist bat­te­rie­be­trie­ben. Auf­grund des hoch­gra­dig en­er­gie­ef­fi­zi­en­ten Schal­tungs­de­signs soll­ten die Bat­te­ri­en je­doch bis zu neun Jahre rei­chen, so Baer. „Die Le­bens­dau­er va­ri­iert na­tür­lich, je nach­dem, wie häu­fig der Alarm aus­ge­löst wird.“

Ge­baut wer­den zu­nächst 20 Ge­rä­te, die im De­zember in ganz Deutsch­land von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen be­gut­ach­tet und ver­teilt wer­den. „Am Ende des Win­ter­se­mes­ters wol­len wir die Er­geb­nis­se die­ser Feld­stu­die eva­lu­ie­ren. Soll­te sich der Clochard Alert be­wäh­ren, wür­den wir zu­nächst eine Klein­se­rie von 200 Stück an­stre­ben, die wir in zwei bis drei Mo­na­ten bauen könn­ten“, er­läu­tert Chris­toph Baer.

Dem­nächst noch Heiz­pads

Mit dem Clochard Alert ist die Ar­beit der Stu­die­ren­den aber noch nicht be­en­det. „Der Win­ter steht vor der Tür und die Näch­te wer­den immer käl­ter“, er­klärt Baer. „Des­halb ar­bei­ten wir zur­zeit noch an einem per Power­bank-be­trie­be­nem Heiz­pad für Ob­dach­lo­se.“ 200 Stück wol­len Baer und die Stu­die­ren­den mög­lichst noch in die­sem Jahr ver­tei­len. Fi­nan­zi­ell un­ter­stützt wer­den beide Pro­jek­te so­wohl von der Fa­kul­tät für Elek­tro­tech­nik und In­for­ma­ti­ons­tech­nik als auch von Sight. Auch die Me­cha­ni­sche Werk­statt der Fa­kul­tät hilft, sie baut die Zy­lin­der für den Clochard Alert.

(Fotos: RUB/Kra­mer, gro­ßes Grup­pen­fo­to: RUB/Zei­tel)